Seine Majestät der Auerhahn

In der heimischen Vogelwelt zählt der Auerhahn zu den beeindruckendsten und majestätischsten Federträgern die in unseren Regionen vorkommen. Besonders spektakulär ist es die Balz dieser sonst so scheuen Waldbewohner mitzuerleben. Dabei legen die Hähne ihre Scheu großteils ab um sich jeden Kontrahenten der sich ihrem Revier nähert zu stellen. Über meine Erlebnisse dazu berichte ich in diesem Artikel.

Mein erstes Mal im Revier des balzenden Auerhahn werde ich nie vergessen. Auf dem Weg dorthin gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Natürlich hatte ich im Vorfeld schon Geschichten von diesem scheuen und prachtvollen Vogel gehört, der in der Regel nur äußerst schwer zu finden und leider immer seltener anzutreffen ist. Er stellt besondere Ansprüche an seinen Lebensraum und legt nur während der Balzzeit sein zurückgezogenes Verhalten ab. Dies tut er um seine Widersacher bei der Verbreitung seiner Gene zurückzuschlagen und die Gunst der Hennen zu gewinnen.

Nach einem etwas längeren Fußmarsch, stapfend durch Schnee und im tiefen Wald, standen wir plötzlich im Territorium seiner Majestät. Bis zu diesem Zeitpunkt war noch nicht viel passiert, doch die ersten Spuren waren im Schnee schnell gefunden. Alleine die Gewissheit, dass der balzende Auerhahn nicht weit sein kann ließ unseren Puls höher schlagen. Von diesem Moment an vergingen nur wenige Minuten bis der König des Waldes in seiner ganzen Pracht vor uns stand. Ich bekam eine Gänsehaut als der imposante Hahn auf einmal aus dem Schatten des Waldes hervortrat und sein Gesicht zeigte.

Selbstbewusst und mit ausgebreiteten Schwanzfedern präsentierte er sich und stolzierte durch sein Revier. Er wollte scheinbar keine Zweifel offen lassen, dass er hier der Boss war. Sein eindrucksvolles Krähen durchdrang den Wald und war sicherlich auch noch in weiter Ferne gut zu hören. Es war einer dieser besonderen Momente die einem jeden Naturfotografen das Herz höher schlagen lassen. Zum Glück hatten wir unsere Kameras schon vorher aus unseren Rucksäcken gepackt und vorbereitet, denn in den ersten Sekunden waren wir von der Anwesenheit seiner Majestät schlicht überwältigt. Nachdem wir die erste Aufregung überwunden hatten, konnten wir uns endlich dem widmen warum wir gekommen waren, dem Fotografieren.

In den kommenden Minuten liefen unsere Kameras heiß und die Speicherkarten wurden mit unzähligen Bildern des stolzen Königs gefüttert. Dabei mussten wir stets aufpassen genügend Abstand zu halten. Ein aggressiver und mit Testosteron gefüllter Auerhahn hat unter gewissen Umständen auch keine Scheu Menschen zu attackieren. Mit seinem harten Schnabel kann er nicht nur Kleidungsstücke zerreißen, sondern auch schmerzhafte Wunden zufügen. Deshalb ist es sehr wichtig -besonders im Sinne der Stressvermeidung für den balzenden Hahn- ausreichend Abstand zu halten. Es ist einfach nicht notwendig das Stressniveau der Vögel während dieser Zeit noch zusätzlich unnötig zu erhöhen. 

Es waren wirklich tolle und vor allem sehr intensive Erlebnisse im Territorium dieses beeindruckenden Waldbewohners. Ich bin sehr dankbar dass ich solch ein seltenes Naturschauspiel hautnah miterleben und fotografieren durfte.

Darum freue ich mich umso mehr, dass wir im kommenden Frühjahr gemeinsam  eine Tour ins Revier des prachtvollen Auerhahns starten und im Zuge unserer Fotoworkshops unsere Teilnehmer dorthin begleiten werden:

Kommentare: 2 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    andrea (Sonntag, 19 November 2017 12:16)

    hallo christoph,

    klingt ja wirklich spannend, deine begegnung mit dem auerhahn. die fotos sind wie immer sensationell! freu mich schon auf mehr :-).

    liebe grüße, andrea

  • #2

    Christoph Ruisz (Sonntag, 19 November 2017 14:51)

    Hallo Andrea,
    ja, die Begegnung war wirklich sehr spannend. Vielen Dank für deine netten Worte, im nächsten Jahr gibts dann Nachschub :-)

    Liebe Grüße
    Christoph