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So fotografiere ich Feldhasen

Seit mehreren Jahren fotografiere ich mit Begeisterung Feldhasen. Ich durfte schon so manch spannenden Moment bei diesen wunderschönen Wildtieren erleben. Seitdem ich mich mit der Wildlife Fotografie beschäftige, zählen Feldhasen zu meinen liebsten Fotomotiven. Mit diesem Artikel möchte ich meine Vorgangsweise beim Fotografieren näher beschreiben und den einen oder anderen Tipp für Feldhasen-Fotos geben.

Das Habitat

Jedes Fotoprojekt beginnt bei mir mit einer umfangreichen Recherche. Bevor ich das erste Mal ausrücke, versuche ich zuerst die elementaren Infos zum Habitat und zur Lebensweise der Tiere zu sammeln. Im Falle der Feldhasen liefert der Name schon den ersten Hinweis auf ihren Lebensraum. Sie sind nämlich wahre Kulturfolger. In der heutigen Zeit kommen die Langohren hauptsächlich in Feld- und Ackerlandschaften vor. Die Felder bieten ihnen nicht nur einen abwechslungsreichen Speiseplan, sondern auch Schutz vor Fressfeinden. Je höher das angebaute Getreide wuchert, desto schwieriger wird es, die Hasen ausfindig zu machen. Wichtig sind auch unbewirtschaftete Wiesen- und Waldflächen zwischen den einzelnen Feldern. Solche Pufferzonen werden von den Tieren regelmäßig frequentiert. Für das Fotografieren lohnt es sich, wenn man in der Nähe solcher Übergänge Position bezieht. In diesen Schneisen können die Vierbeiner gut in Szene gesetzt werden.

 

Frühling, Sommer, Herbst oder Winter?

Egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, grundsätzlich kann man Feldhasen zu jeder Jahreszeit fotografieren. Im Winter und zu Beginn des Frühlings, wenn die Vegetation noch nicht allzu weit vorangeschritten ist, ist es wesentlich einfacher die Tiere in ihrem Lebensraum ausfindig zu machen. Je höher das Gras, desto schwieriger die Suche. Anders als bei Schneehasen, ändern Feldhasen ihre Fellfarbe im Winter nicht. Sie tragen das ganze Jahr über ihr schlichtes Braun. Ich persönlich fotografiere die Feldhasen am liebsten im Frühling, welcher gleichzeitig den Höhepunkt der Paarungszeit darstellt. Denn dann gelten eigene Regeln.

 

Ihr Verhalten und die Paarungszeit

Feldhasen sind Pflanzenfresser und die meiste Zeit des Jahres eher scheue Einzelgänger. Kommt man den Langohren zu nahe, machen sie sich ganz klein, legen die Ohren an und ducken sich. In der Jägersprache wird diese Haltung "Sasse" genannt. Lediglich während der Paarungszeit bilden die Feldhasen kleine Gruppen und sind dann vermehrt anzutreffen. Die Paarungszeit stellt das sonst eher scheue Verhalten der Hasen komplett auf den Kopf. Durch den erhöhten Hormonspiegel sind sie wesentlich aktiver und auch leichtsinniger. Wenn man sich ruhig verhält, kann es durchaus vorkommen, dass sie jegliche Scheu ablegen und ganz nah herankommen. Wichtig ist hierbei, dass man sich bei Möglichkeit auf den Boden legt, um einerseits eine ansprechende Perspektive für die Fotos zu erlangen und andererseits möglichst klein ist, um von den Vierbeinern nicht als Gefahr wahrgenommen zu werden. Ich wurde vor ein paar Jahren fast von einem Hasen umgerannt als er versuchte seinen Rivalen einzuholen. Erst im letzten Moment wich er zur Seite. Ein anders Mal wurde ich von zwei Feldhasen als Hindernis benutzt. Sie rannten mehrmals um mich herum ehe der Verfolger aufgab und eine andere Richtung einschlug. Das waren einfach geniale Momente die nur während der Paarungszeit entstehen können.

Wenn es um die Weitergabe der Gene geht, kommt es auch häufig zu Boxkämpfen. Dabei stellen sich die Vierbeiner auf ihre Hinterpfoten und versuchen ihren Kontrahenten mit den Vorderpfoten auf den Kopf zu schlagen. Das geht dann so lange, bis einer nachgibt und das Weite sucht. Zwischen Anfang März und Ende April kann dieses spektakuläre Verhalten beobachtet werden.

Zwei mögliche Herangehensweisen

Ich persönlich wende zwei Herangehensweisen bei der Fotografie von Feldhasen an.

Wenn ich in einem großen Habitat mit vielen Feldern unterwegs bin, fotografiere ich direkt aus dem Auto. Dabei nutze ich neben einem langen Teleobjektiv (zwischen 400 und 800mm Brennweite) auch einen Bohnensack zum Stabilisieren. Bei offenem Fenster nutze ich das Auto dann als Tarnung. Der Vorteil dieser Methode ist, dass man mobil und wettergeschützt ist. Im Autositz ist es auch recht komfortabel und angenehm.

Meine bevorzugte Herangehensweise ist jedoch das Ansitzen im Freien. Hierbei setze (oder lege) ich mich schon in den frühen Morgenstunden neben ein Feld und warte vor einer Schneise (Übergang von Feld auf Wiese) auf die Vierbeiner. Durch die tiefe Aufnahmeposition kann man die Hasen schön freistellen und mit etwas Glück hautnah und auf Augenhöhe fotografieren.

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile und werden je nach Location von mir eingesetzt.

 

Ein Tipp in Punkto Action-Aufnahmen:

Um die Bewegungsunschärfe möglichst gering zu halten, würde ich bei Aufnahmen von laufenden oder boxenden Feldhasen eine Verschlusszeit von mindestens 1/800 sek empfehlen (1/1600 sek wäre noch besser).

Ausdauer und Geduld lohnen sich

Wie eigentlich immer in der Wildlife Fotografie, ist auch bei den Feldhasen Ausdauer und Geduld sehr wichtig. Darüber hinaus sollte man sich im Vorfeld -besonders beim Ansitzen im Freien- auch Gedanken über die Richtung des Windes machen. Feldhasen haben nämlich nicht nur ein sehr gutes Gehör, sondern auch einen ausgezeichneten Geruchssinn. Bei der Wahl des Ansitzplatzes sollte der Wind nie in Richtung der Tiere wehen, da sie sonst recht schnell die Witterung aufnehmen und das Weite suchen oder gar nicht erst auftauchen.

Je öfter man draußen in der Natur ist, desto größer ist auch die Chance, dass man irgendwann erfolgreich ist. Und selbst wenn es manchmal nicht möglich ist ein Foto zu machen, so ist doch jeder Tag in der Natur ein gewonnener Tag. Mit steigender Erfahrung hat man auch irgendwann Erfolg. Ausdauer und Geduld lohnen sich.

Der Straßenverkehr ist gefährlich!

Am allerwichtigsten ist aber, dass man die Tiere durch die eigene Anwesenheit niemals gefährdet. Wenn Wildtiere panisch flüchten (egal ob Feldhase, Reh, ...), dann laufen sie mit aller Kraft und Energie davon. Dabei machen sie sich keine Gedanken über andere Gefahren wie z.B. den Straßenverkehr. Man sollte daher stets beim Fotografieren berücksichtigen, dass, wenn ein Tier flüchten sollte, stets genügend Rückzugs- und -Fluchtmöglichkeiten bestehen. 

Das Wohl der Tiere hat immer Vorrang vor einem möglichen Foto und in der Naturfotografie sollte stets ein tier- und umweltfreundlicher Umgang gelebt werden.

 

In diesem Sinne möchte ich mich fürs Lesen bedanken und hoffe, dass ich ein bisschen helfen konnte  🙏😃📸

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Kommentare: 3
  • #1

    Liane S. (Dienstag, 21 Mai 2019 09:11)

    Danke für die Info. Wird gespeichert ums immer nachlesen zu können. Denke oft und gerne an unseren Fototag.
    Ganz liebe Grüße

  • #2

    Christoph Ruisz (Mittwoch, 22 Mai 2019 10:47)

    Liebe Liane,
    vielen Dank für deine Zeilen.
    Ja, das war auf jeden Fall ein erfolgreicher Fototag im April :-)

    Liebe Grüße und noch eine angenehme Woche
    Christoph

  • #3

    Martin Stolz (Dienstag, 04 Juni 2019 18:47)

    Hallo Christoph, wieder einmal sehr schöne Bilder. Du weißt ja, daß ich immer wieder mal Deinen Blog durchstöbere. Dir fehlt noch ein Bild in Deiner Serie hier. ;-) Und zwar Feldhase im Mohnfeld. Bin selbst gerade wieder einmal an diesem Thema dran und habe die "ersten Propanten erwischt". Bist auf jeden Fall herzlich eingeladen zur "Mohnfeld-Feldhasenpirsch". Habe zwar dieses Jahr nur noch ein kleines bzw. Restflächen meines alten Mohnfeldes, aber die Hasen sind zum Glück auch noch/wieder da.
    Viele Grüsse
    Martin